Die Faszination und Schönheit der Gewitter

Shelfcloud bei Halver
Bei dieser Art Böenfront (Shelfcloud) ist Sturm eine der Hauptgefahren!

Letzten Donnerstag und Freitag war in weiten Landesteilen eine Gewitter, – bzw. Schwergewitterlage. Für mich als Hobbyfotograf und Hobbymeteorologe war das ein gefundenes Leckerchen nach wettertechnisch so langer, öder Zeit in der fotografisch nichts ging, zumal der „Winter“ auch wieder ein Totalausfall für die Tonne war… Somit wurde nach langer Zeit wieder „gechast“ und den Gewittern hinterher gejagt!

 

Am Donnerstag zog von Frankreich eine Konvergenzzone ins Land an der Winde zweier Richtungen aufeinander treffen. Der einzigste Ausweg ist nach Oben und das sorgte für die Entstehung von einer organisierten Gewitterline.

 

Das jetzt fachlich weiter auszuschweifen würde denke ich den Rahmen sprengen 🙂 Als diese Gewitterfront am Entstehen war, fuhr ich von zu Hause (Siegen) nach Halver in die Nähe von Lüdenscheid da ich mit der Region gute Erfahrungen gemacht habe was Gewitter und dessen Fotografie angeht, während bei mir im „Siegener Loch“ meistens der Zonk wartet 🙂

 

Auf der Fahrt sah ich schon die Ambösse der mächtigen Gewitterlinie über dem Rheinland und Ruhrgebiet. Die Aufwinde „klatschten“ so richtig schön gegen die Tropopause (obere Begrenzung der Troposphäre, der wetterträchtigen Atmosphärenschicht). Sie wirkt wie ein Deckel unter dem sich der Kram dann zu allen seiten ausbreitet – dadurch erlangen Schauer/Gewitterwolken oftmals ihre typisch amobssförmige Optik aus der Ferne betrachtet.

 

Als ich dann meinem Ziel näher kam, ging schon das Suchen nach einem guten Aussichtspunkt mit Fernblick los. Ich suchte und suchte, stand an einer roten Ampel nach der anderen und irgendwann erhob sich das Monster diffus über den Horizont. Ich suchte weiter, es artete in Stress aus – denn die Front wartet nicht!

Irgendwann fand ich dann endlich einen geeigneten Standort auf einem Hügel neben einem Sportplatz an einem Acker.

Schnell die Kamera gegriffen und ab aufs Feld zum Fotografieren! Da war ich dann voll in meinem Element. Eine schöne laminare, mehrstöckige Shelfcloud tat sich mir auf. Sie reichte von einem Horizont zum anderen! Ich knippste und genoss es! Die Strukturen, die Stimmung und das Licht.

 

Irgendwann überrollte mich die Shelfcloud dann und mit der Vorderkante frischte der Wind schlagartig stürmisch auf. Dies ist typisch – denn an der Vorderseite wird der Aufwind (warme Luft) vom kalten Abwind getrennt. Und Niederschlagsabkühlung + Fallwinde sorgen dann für den typischen Wind.

 

Fotografisch war das die beste Ausbeute seit mindestens 2019 für mich – seither gab es wettertechnisch nur Müll – von wenigen Ausnahmen abgesehen… Die Strukturen waren einfach grandios! Der Durchzug der Gewitterfront passierte mit Starkregen und kurzzeitig auch kleinem Hagel sowie stürmischem Wind, war sonst aber nicht aussergewöhnlich, die Blitzrate mäßig und dabei meistens Wolkenentladungen. Fotografisch war der Drops gelutscht.

 

Die untere Bilderreihe zeigt ein paar beeindruckende Bilder des Aufzugs. Eines der rechten beiden Fotos hänge ich mir auf Leinwand an die Wand!

Aufziehende Superzelle Fulda

Am Freitag stand dann die 2. Unwetterlage an welche in Paderborn einen Tornado hervorbrachte. Und auch da war ich unterwegs zum Chasen. Allerdings entwickelte sich die Lage anders als von den Modellen zuvor gerechnet.

 

Durch die Gewitterfront vom Vortag lag in bodennahen Luftschichten ein „Kaltluftsee“, aus Resten der Abwinde der Vortags-Gewitter sowie dazu nächtlicher Auskühlung mit Bildung von Nebel und Hochnebel. So war es meistens bewölkt und in der Warmluft darüber zogen viele mittelhohe Wolken durch, teils mit Regen. Der Wurf schien das nicht zu werden.

 

Es fehlte an Sonneneinstrahlung, welche die Luftmasse so richtig zum Köcheln bringen sollte. Am Mittag entstanden dann einzelne, dafür aber sehr giftige Gewitterzellen, teils auch Superzellen, eine „rüsselte“ dann und sorgte in Paderborn und Umgebung für Schlagzeilen. Im großen Rest war die Unwetterlage – fotografisch gesehen – aber ein Flop und die Wege lang. Beachtlich war auch die Zuggeschwindigkeit.

Da ich sonst schon so oft ins Klo gegriffen haben habe, wollte ich mich damit nicht abfinden und ich fuhr dann weiter nach Süden – denn der späteren Paderborn-Superzelle habe ich nicht solches Potenzial zugetraut und nach Süden zu sah es fruchtbarer aus.

 

Ich fuhr dann bis nach Fulda runter und holte mir dann da eine Superzelle, die durchaus fotogen war, aber die erhoffte Blitzshow am Abend von einem nachfolgenden Gewittersystem welches bereits seinen Schatten in der Abendsonne vorauswarf, blieb aus da den Gewittern die Puste ausging. So war dann die fotografische Ausbeute gemessen an den gefahrenen Kilometern sehr mäßig – aber hey – ich habe mal ne Superzelle live gesehen und dazu etwas von der Welt da draussen 🙂

 

Superzellen stellen die Königin aller Gewittertypen dar! Diese Gewitter rotieren und in ihren Aufwinden können Hagelkörner zu extremer Größe heranwachsen. Dazu ist je nachdem die Tornadogefahr erhöht und da der Aufwindbereich meist klar vom Abwind getrennt ist, ist auch die Lebensdauer oft höher als bei „herkömmlichen“ Gewittern. Unter der Aufwindbasis ist teilweise eine sog. „Wallcloud“ erkennbar, diese reicht tiefer hinab als die umgebende Wolkenbasis und wirkt somit wie eine Wand.

 

Auf den Bildern erkennt man schön den Aufwindteller, den typisch schräg gestellt-rotierenden Aufwind und rechts des Aufwindtellers den Abwind mit dem Niederschlag. In diesem Fall gab es sogar noch eine Wallcloud, diese Absenkung bis hinter den Berg, dort wurde unter anderem von rechts kalt-feuchte Luft aus dem Niederschlag hineingezogen.

 

Gewitter sind schon einfach faszinierend. Leider sorgen sie aber auch manchmal für schlimme Schäden.  Als Stormchaser geht es aber nicht nur ums Fotografieren und Erleben, sondern auch ums Dokumentieren von Schäden und ums Warnen! Ich bin Mitglied des ehrenamtlichen Vereins „Skywarn Deutschland„. Sehe ich etwa Unwetter, die klar definierte Melderichtlinien überchreiten, wird eine Unwettermeldung abgesetzt. Diese geht dann direkt zum DWD und dort können dann Warnungen herausgegeben oder konkretisiert werden!

Schreiben Sie gerne in die Kommentare, ob Sie auch solche Beiträge wie diesen hier auf diesen Seiten sehen möchten 🙂 Vielleicht richte ich später einen eigenen kleinen Blog/Fotoecke ein 🙂

9 Antworten

  1. Sehr gern würde ich solche Beiträge auch hier weiterhin sehen, bin gleichermaßen fasziniert und schockiert von den Naturgewalten 🫢

  2. Wow! Danke fuer die faszinierenden Fotos. Wir haben hier in Irland ja auch viele wilde Stuerme und Wetter events, wir verdruecken uns aber schnell ins Haus bis es vorbei ist. Wir sollten wohl etwas mutiger sein und das wilde Spektakel draussen geniessen. Hut ab, Du bist ein Weltmeister

  3. Ich würde auch sehr gerne weiterhin so fantastische Unwetterfotos von dir sehen!!! 🤗👌🏻
    Vielen Dank sehr beeindruckend!!!! 🤩

  4. Wirklich beeindruckende Aufnahmen. Vermutlich kennst Du dann auch die Wetterzentrale, wenn Du in Sachen Wetter so aktiv bist/warst.

    Und vermutlich könnte Dich auch mein neuestes Video interessieren, wo ich auf der A8 vor ein paar Tagen in ein Gewitter hineingeraten bin und die Sicht fast auf Null zurückging. Das war am Aichelberg auf der Alb:
    https://www.youtube.com/watch?v=-DuD6eNyIuw

    Liebe Grüße,
    Gunnar

    1. Wetterzentrale kenne ich, schaue mir da die Ensembles der Modelle an. Das Gewitter war auch noch sehr fotogen dabei! Dem Niederschlagskern war der Hagel anzusehen da typisch scharf abgegrenzt.

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