Lochverkleinerung und Eiersuche bei Blaui

Welch eine emotionale Achterbahnfahrt die letzten 3 Tagen waren angesichts all der Turbulenzen im Blaumeisennest. Kohlmeisenübergriffe und gestern die Kleiber. Dabei gingen auch die Eier abhanden.

 

Da wurde die Forderung nach einem Eingriff am Nistkasten mit Lochverkleinerung laut. Da ich selbst mit der Situation überfordert war und aus Sorge über eine Nestaufgabe nach baulicher Veränderung am Kasten, wollte ich die Entscheidung durch Sie als Zuschauer fällen lassen – per Abstimmung!

 

Eigentlich wollte ich die Abstimmung bis Dienstag (morgen) laufen lassen aber die Resonanz war so riesig, dass sehr schnell klar war: Ein Eingriff sollte her, und zwar schnell! Ganz vereinzelt tauchten sogar Kommentare auf in denen mir Vorsatz unterstellt wurde um hier mehr Klicks zu machen (Abstimmung bis Dienstag, absichtlich zu großes Loch, usw.) Darüber habe ich mich offengestanden ziemlich geärgert da ich dies halt, – und taktlos finde…

 

Ich habe entsprechend nun nach dem Wunsch der Community und auch nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und eingegriffen!

 

Zunächst bin ich mit der Leiter an den ca 5 m hoch hängenden Kasten gegangen und habe die Front abgenommen. Danach habe ich eine 9 mm Multiplex-Platte mit einem 26-27 mm Loch innen vor das alte Loch gesetzt. Dabei habe ich das Loch so versetzt, dass beide Löcher unten einen stufenlosen Übergang ergeben und nur nach Oben zu die Verjüngung ist (aussermittige Montage gegenüber dem alten Loch) Sinn davon ist, dass die Meise an den Füßen keine Stufe hat und wohl besser ein/ausfliegen kann. Eine Montage von Aussen hätte deutlich mehr Zeit benötigt da aussen der Spechtschutz sowie der Rahmen ist. Die Platte hätte ich dann entfernen und die Lochverkleinerung dahingehend anpassen müssen. Da es schnell gehen musste, habe ich diese Variante gewählt.

 

Doch nach dem Montieren der Lochverkleinerung kam die 2. Hürde: Eiersuche im Blaumeisennest!

 

Durch die Übergriffe wurden die Eier verstreut und waren für die Blaumeise nicht mehr auffindbar da sie in die Tiefe rutschten beim Rupfen am Nistmaterial durch die Eindringlinge und da sich die Position der Nestmulde geändert hatte dadurch, waren die Eier weg…

 

Mit den Fingern habe ich sie ertasten können und wieder hervorgeholt. Ich habe die 3 Eier dann zurück in die eigentliche Nestmulde verlegt und somit ist Blauis Nest wieder komplett. Solch eine Aktion habe ich noch nie durchgeführt und war extremst nervös, hatte so zittrige Hände, dass es mir schwer fiel, die Eier gaaanz vorsichtig zu fassen – aber es hat geklappt! Eier allgemein sind auf Grund ihrer Form trotz der dünnen Schale sehr robust!

 

Damit keine Eier mehr in Ritzen abhauen, habe ich mit der Hand das Nistmaterial wieder verdichtet und etwas plattgedrückt.

 

Als ich fertig war, habe ich mich direkt verzogen und meide den Bereich. Da noch Nistkästen bestellt wurden, hätte ich heute noch in der Halle bauen müssen, aber ich möchte da erstmal Ruhe einkehren lassen heute Abend und hoffe auf den Einflug für die Nacht – da darf nicht gestört werden!

 

Nach der Saison werde ich diesen Kasten so verändern, dass ein Lochwechsel schnell und störungsfrei möglicgh wird, Standardmäßig dann ein Kohlmeisenloch, ziehen Blaumeisen ein, dann erfolgt ein Lochwechsel auf Blaumeisenmaß und bei Kohlmeisen geschieht nichts.

Kleine Anmerkung zum Schluss:

 

Der Blaumeisenkasten sowie der Stationskasten sind mit die ersten Kästen die ich gebaut habe. Sie sind 2018 gebaut und da hatte ich noch keinen 32 er Bohrer, habe darum einen 35 er genommen. Alle neueren Kästen haben ein 32 er Loch.

 

Es ist übrigens nicht schlimm, das Nest, Eier oder Küken anzufassen! Entgegen des hartnäckigen Irrglaubens haben Vögel keinen guten Geruchssinn und somit führt das Anfassen nicht zur Nestaufgabe oder Verstoßen von Jungen! Dies geschieht in der Regel eher bei gewissen Säugetieren, etwa Rehe, Kaninchen, etc.

 

Allgemein sollten Eingriffe an Vogelnestern vermieden werden da immer das Risiko einer Nestaufgabe besteht. In diesem Fall ist das Risiko einer Nestaufgabe oder Misserfolg der Brut durch die Störungen wohl höher gewesen als eine Nestaufgabe durch mein Eingreifen. Solche Aktionen werden bei mir immer sorgfältig überdacht und abgewogen. Niemals mache ich „sowas“ aus Spaß an der Freude – im Gegenteil – toll ist das nicht, aber dabei zugucken, wie eine Brut (vermeidbar) scheitert, ist auch keine Option für mich. Schließlich wird einem verwaisten Küken, Tier-Junges im Allgemeinen auch geholfen – Natur hin oder her.

 

Ein Nistkasten ist keine natürliche Behausung und Singvögel im Allgemeinen werden immer weniger, Brutplätze gibt es auch immer weniger. Da sollte man m.M nach die Bedingungen soweit „optimieren“, dass möglichst viele erfolgreiche Bruten sich am Ende auf den Weg in die weite Welt machen können. Jeder Einzelne kann etwas für den Erhalt der Singvögel tun, etwa Futterhäuser anbieten mit geeignetem Futter und vor allem aber auch durch naturnahe Gärten anstelle der scheußlichen Schotterwüste, die Gott sei Dank immr verbreiteter verboten werden!

So, das war das „Wort zum Montag“ und hoffentlich kehrt jetzt wieder Ruhe ein im Nest der Blaumeise 🙂

 

PS: In Lüdenscheid gibt es sehr große Kohlmeisenaktivität – nur ohne Moos ist (noch?) nichts los!

13 Antworten

  1. Lieber Alexander, danke für dein Tun!!! Du hast in jeder Hinsicht richtig gehandelt und ich freue mich, dass Blaui jetzt ihre Ruhe vor Eindringlingen hat!!! Danke 🙏

  2. Danke für die Mühe! Die Vögel haben’s eh schon so schwer, da kann man der Natur auch mal bisschen helfen und nicht nur zuschauen!

  3. Lieber Alexander, du hast einen superJob gemacht und ich kann mir vorstellen, wie aufgeregt du warst! Der Vorwurf dir gegenüber war völlig ungerechtfertigt, ärgere dich bitte nicht mehr darüber. Ich habe deinen Kanal vor einem Jahr entdeckt und bin durch dich zum Meisen-Fan geworden, gerade weil du in diese Projekte viel Zeit und Hingabe steckst. Nur dadurch habe ich auf Ganzjahresfütterung umgestellt, nur dadurch habe ich den Garten noch vogelfreundlicher gestaltet und selbst Nistkästen aufgehängt. Und durch dein Engagement darf ich mich nun selbst über ein nistendes Blaumeisenpaar freuen, wenn auch ohne Kamera. Von daher: Danke im Namen meiner und deiner (Blau-)Meisen für deinen Einsatz!

    1. Danke für die Wertschätzung und toll, dass dich das Projekt inspiriert hat, den Garten dahingehend zu optimieren, etwa gestalterisch und auch futter-technisch 🙂 Leider sehe ich hier in meiner Umgebung immer mehr dieser ätzenden, hässlichen Schotterpisten! Brachland wird zugeschottert ich kann mir kein Grundstück das ich naturnah gestalten würde kaufen (Winziges Haus/Tiny-House + großes Grundstück welches zu weiten Teilen biotopartig sein soll…

      1. Hier in unserer Nachbarschaft dasselbe: Entweder Schottergärten mit asiatischen Gestaltungselementen oder nur Rasen oder halt 08/15 und im Herbst wird alles mit der Motorsäge runterrasiert, kein Schutz für Vögel und andere Wildtiere; furchtbar ist das.
        Leider haben wir nur einen Mini-Garten, mein Traum wäre auch ein kleines Haus auf einem Grundstück mit verschiedenen Biotop-Zonen. Aber ich will nicht meckern, bin froh, wenigstens einen kleinen Garten zu haben und mache das Beste daraus.

  4. Super gelöst! Ich denke da hast du dem kleinen Tierchen einen grossen Dienst erwiesen! 🙂 P.S. Oben links liegt noch ein Ei. : D

  5. Gut gemacht, Alexander,
    als Menschen haben wir so viel Natur beeinflusst, meistens negativ, und soviel zerstoert, dass es absurd waere, eine helfende Hand als unrelaubten Eingriff in die Natur zu bezeichnen. Hoffentlich nehmen die Blaumeisen das neue Einflugloch an und die dreisten Uebergriffe von Kohlmeisen und Kleibern haben sie nicht verschreckt.

  6. Hallo Alex, hallo liebe Meisenfans!
    Ich bin dieses Jahr leider noch nicht wieder so regelmäßig auf dieser Seite unterwegs und habe daher vielleicht nicht alles zeitnah mitbekommen. Aber ich möchte mich gerne der Dagmar anschließen: auch mich hast du, lieber Alex, mit deinem tollen Engagement inspiriert und mir – neben den einzigartigen Einblicken in die interessante Vogelwelt -schon so viele nützliche Tips gegeben, dass ich dir dafür einmal auf diesem Wege ganz herzlich danken möchte. Prima, dass es in der heutigen Zeit solche Menschen wie dich gibt! Ich freue mich schon auf eine erfolgreiche Brutsaison 2022😀

  7. Wir sind auch totale Gartenvögel-Fans und nach dem großen Blaumeisen-Sterben in 2020+2021 möchten wir die kleine blauen unterstützen. Daher hat mein Mann einen Nistkasten mit 26er Loch gebaut. So haben die größeren keine Chance in den Kasten zu gelangen.
    Scheint zu funktionieren,  denn wir beobachten nun regelmäßig eine kleine Blaumeise beim Moos-Transport 😀

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