schlüpfende Küken

Fotogene Gewitterzellen in Lüdenscheid und Siegen

Während hier in den Nistkästen und Igelhäusern wenig bis nichts mehr läuft, läuft es dagegen momentan bei meinem anderen Hobby, dem Stormchasing, Hobbymeteorologie und Fotografie ziemlich gut, – so gut wie seit Jahren nicht mehr! Nach langen Durststrecken und vielen Flops kam ich besonders gestern (10.07.2024) so richtig auf meine Kosten, – zweimal! 🙂 Wenn Sie sich unterm Bett verkriechen, es draussen knallt und scheppert, erwacht bei mir die Leidenschaft und Faszination für Wetter, Wolken und Fotografie!
 
Es ging los als vorgestern Abend eine Gewitterlinie über weite Teile von NRW bis später in den Norden Deutschlands zog. Ich sah sie auf dem Radar und da Siegen bei der Anströmung aus Südwest gerne einen Flop erlebt, fuhr ich weiter nach Norden nach Lüdenscheid zu meinem Freund. Dort würde mich die Linie sicher treffen von der Zugbahn her! Schon auf der Autobahn sah ich eine schwarze Wolkenkante mit Quellungen unterhalb einer zunehmend grauen, streifig-faserigen Masse (den Eisschirmen der eigentlichen Gewitterzellen, die gerade das westliche NRW erreichten).
 
In Lüdenscheid angekommen, meinte es das Verkehrschaos gut mit mir auf Grund der späten Uhrzeit und ich kam ganz gut zu meinem Aussichtspunkt in Heedfeld – doch stand die Böenfront (Shelfcloud*) bereits hoch am Himmel und jede rote Ampel versaute mir Potenzial. Die Krux hierbei war nämlich, dass die Gewitterlinie zwar noch weit weg war, gerademal dem westlichen Ruhrpott, Rheinland, die Böenfront durch großflächig ausströmende Kaltluft sich aber verselbstständigt hatte und den Gewittern „davonlief“. Sie fraß sich regelrecht in die davor lagernde Warmluft – wie mit dem Lineal gezogen von Südwest bis Nordost!

Als mich die Böenfront überquerte, ging es erwartungsgemäß los mit stürmischem, kalten Wind aus den noch immer sehr fernen Gewitterzellen, die auch munter blitzten. Die Temperatur fiel locker um 5-8 Grad und ich fokussierte mich nun auf das Fotografieren von Blitzen. Es war aber noch immer trocken, nach dem Motto „Viel Wind um Nichts!“. Das mit den Blitzen wurde aber noch nichts. Richtung Mitternacht dann zogen aus Südwesten dann die eigentlichen Gewitter auf, die ich dann ablichten konnte. Doch so leicht ist es nicht, gute Blitze/Strukturen abzulichten, denn eine ungeschriebene Regel ist, dass die geilsten Blitze immer dann kommen, wenn die Kamera gerade nicht aktiv ist, der Bildausschnitt oder die Ausrichtng der Kamera nicht stimmt! Doch neben vielen beliebigen Blitzen ging dann doch noch was.

 

Nachdem die erste Linie abzog, konnte ich im noch immer aktiven Gewitter bereits den untergehenden, roten Mond sehen, während bei mir noch Starkregen mit Beleuchtung war. Der Traum vom Erdblitz mit dem roten Mond dahinter blieb aber unerfüllt! Insgesamt 3h konnte ich mit Gewittern genießen! Eine dicke Sternschnuppe gab es zudem noch als Zugabe 😀 Der Abend/Nacht hat sich trotzdem voll gelohnt – alleine vom Erlebnis!

Am Tage (gestern) sichtete ich nach der Arbeit mein Material der vorigen Nacht und danach tüftelte ich weiter an meinem Teichkamera-Projekt! Da gibt es bisher wohl große Efolge zu verzeichnen! An anderer Stelle mehr dazu 😉

 

Am Abend präsentierte sich wieder ein Verbund aus Gewitterzellen am Radar, denen schenkte ich zunächst aber wenig Beachtung, da ich noch im Garten zugange war. Doch eine Zelle näherte sich und die Sonne war bald auch weg. Mein Bauchgefühl sagte, „fahr zum Aussichtspunkt“! Ich kam Dem nach und fuhr zum Siegener Giersberg.

 

Da angekommen lächelte mich ein fettes, fotogenes Gewitter mit Wallcloud* an. Mein Kollege Andre, – mit dem ich öfters solche Touren mache, – erschien wenig später und wir lichteten auch dieses Prachtstück ab. Den Vogel abgeschossen hatte aber ein schöner „Erdnagel“ den das Gewitter in ca. 1 km Entfernung reingekloppte 🙂 Der brannte sich nicht nur in die Netzhaut, sondern auch auf meine Speicherkarte! Herrlich, wennauch nicht perfekt! Danach gingen wir beide ins Auto stiften und binnen 3 min folgte sintflutartiger Starkregen! Möglicherweise handelte es sich bei diesem Gewitter um eine Mesozyklone, also einem Gewitter mit rotierendem Aufwindbereich bei dem aber noch nicht alle Kriterien für eine Superzelle* erfüllt waren. Auffällig war auch das leichte Ausscheren der Zelle gen Osten (zu mir).

Es hat auf jeden Fall gut getan für die geschundene „Chaser-Seele“, da die Wetterszene so viele toxische, schlechte Menschen kennt, die mir schon so manchen Koller und so manchen Frust beschert haben! Darum teile ich meine Fotos und Berichte auch auf keinen Wetterportalen/Foren mehr, sondern dann eben als „Offtopic“ hier auf diesen Seiten 🙂

 

Bedeutung der Begriffe:

 

Shelfcloud

Wallcloud

Superzelle

4 Responses

  1. Ein großes „Danke“, dass du uns an diesen Erlebnissen und vor allem an deinen Hammer Fotos teilhaben lässt.
    Ich bin fasziniert.
    Viel Glück weiterhin bei solchen Aktionen
    Viele Grüße aus dem Norden
    Susanne

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