Zu Besuch an der Comenius-Schule in Berlin

Comenius Schule Berlin
Henrik Aust (links) und meine Wenigkeit
Vor ca 2 Wochen bekam ich eine E-Mail von Herrn Aust, einem Lehrer im Bereich Holz und Mathematik an der Comenius-Schule in Berlin. Er fragte mich, ob er meine Bauanleitung für den Bau eines Nistkastens in seiner Klasse verwenden darf. Ein Ziel dabei sollte es auch sein, den Livestream des Nistkastens dann auf einem großen Monitor im Eingangsbereich der Schule darzustellen – sichtbar für alle Schüler und Lehrkräfte. Eine tolle Sache für die es selbstverständlich mein „OK“ gab 🙂
 
Besonders hierbei ist auch, dass er u.a Schüler mit Autismus in den verschiedensten Abstufungen betreut. Und da ich selbst die Diagnose „frühkindlicher Autismus“ habe, entflammte danach eine Email-Konversation.
Wenig später kam dann die Einladung, persönlich vorbeizukommen wo er mir die Schule sowie auch Berlin zeigen wollte. Ebenfalls auch ein paar andere Schüler mit Autismus, die sehr gespannt waren auf mein Erscheinen.
 
Am Donnerstag fuhr ich dann von Lüdenscheid los und am Freitag ging es dann morgens früh in die Schule, genauer gesagt in die Holzwerkstatt. Die ersten 4 Stunden standen im Zeichen des Nistkastenbau. Es waren jedoch nur zwei andere Schüler anwesend da der Rest der Klasse in einem Praktikum war. Ein Schüler dabei war ein nicht-sprechender Autist (Mutist). Am Nistkasten musste nur noch der Kipp-Schalter eingebaut werden und die Kamera final eingestellt werden (Fokussierung der Linse, Einstellungen im Webinterface) sowie Anbringen des Rahmens mit Spechtschutz am Flugloch. Am Ende musste nur noch die Kamera verschraubt und richtig ausgerichtet werden wobei ich einen Rahmen als Halterung mitgebracht habe da dieser vergessen wurde bzw. nicht selbst angefertigt werden konnte.

Die letzten beiden Stunden ging es in eine Klasse im 5. oder 6. Stock im Dachgeschoss der großen Schule. Hier waren 7 Schüler, ich glaube der Stufe 8 oder 9. Eine gemischte Klasse, teils wieder mit Autisten und neurotypischen Schülern. Eigentlich eine Mathestunde. Da haben wir ausgiebig und lange über den Nistkasten sowie über die spezielen Eigenarten bzw. „Inselbegabungen“ gesprochen. Ein Schüler brachte sich z.B das Saxophon selbst bei, ein anderer hatte es mit Anime und Filmen. Auffallend für mich war, dass alle Beteiligten interessiert waren und auch Fragen gestellt wurden. Es ging inhaltlich nicht nur um den Nistkasten, sondern auch um mich als Person, wie ich mit den Autismus so lebe. Es war alles sehr aufregend und spannend, für alle Beteiligten Neuland.
 
Am Ende des Schultags führte mich Herr Aust zur Schulleiterin, – eigentlich ein Ort den man als Schuler nur zu Gesicht bekam, wenn man Mist gebaut hat (habe ich nie!) 😃 Die Schulleiterin war ebenfalls begeistert, sowohl vom Projekt mit den Nistkästen als auch dass ich gekommen bin! Denn es waren über 500 km Fahrt eine Strecke von Lüdenscheid bis Berlin, dazu das Unbekannt/Fremde womit viele Autisten große Probleme haben.
 
Ich kam ich bei Herrn Aust zu Hause im Gästezimmer unter, – somit entfielen Übernachtungskosten und auch weitere Probleme für mich. Dazu haben wir uns von Früh bis Spät ausgetauscht und so manchen Lachflash gehabt, da ich auch von meinen Storys erzählte 🙂 So habe ich von „geilen Sprüchen“ meines Vaters erzählt, wenn er sich aufregt. Denn er wird ironisch-sarkastisch – jeder Komiker sieht dagegen alt aus! Ich sagte, dass der Hals meines Vaters und er als Person wie 2 Persönlichkeiten wären in dem Kontext. Darauf hin sagte er mir, dass wenn er das in der Schule erzählen würde, die (autistischen) Schüler glauben würden, mein Vater bestünde nur aus einem Hals und dem Kopf 😃 Da hab ich fast am Boden gelegen vor Lachen – dazu dieses Bild vor Augen 😃
 
Abseits von Schule & Nistkasten sowie zahlloser Lachattacken zeigte er mir Berlin, fuhr mit mir herum und erklärte mir gewisse Sehenswürdigkeiten. Da durfte die Mauer und das Brandenburger Tor nicht fehlen. Speziell die Mauer und das Tor fand ich toll – Ersteres aber nur vom Sehen-Faktor… Eigentlich mag ich Großstädte gar nicht aber im Rahmen eines Kurz-Aufenthalt war es dann doch recht erträglich und durchaus weniger Beton als gedacht!
 
Am Nachmittag des Samstags fuhr ich dann noch zu Verwandten in Potsdam die ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, im Anschluss zurück nach Lüdenscheid zu meinem Freund.
Es waren somit ein paar aufregende, tolle Tage welche aber einen faden Beigeschmack bekamen angesichts dessen was mit der Ukraine passiert.
 
 
Fotos: Henrik Aust mit mir im Eingangs-Korridor der Schule mit dem Namen und Logo im Hintergrund. Als Vergleich brachte ich einen auf Vorrat gebauten Nistkasten mit. Den anderen haben die Schüler die Tage zuvor im Werkunterricht gebaut. Aus dem Kasten sollen später dann Livebilder auf einem Monitor erscheinen. Der IT-Techniker hat den Nistkasten mit mir zusammen bereits ins Schulnetzwerk integriert. Die Schulleiterin hat die Bilder gemacht, steht aber lieber hinter als vor der Kamera. Selbstverständlich habe ich die Erlaubnis der Schule sowie von Herrn Aust, das online zu stellen. Die Schüler wollten nicht auf Bildern zu sehen sein was ja auch nicht weiter schlimm ist. Ich tu mich auch immer schwer.
 
Hier gelangen Sie auf die Webseite der Schule: www.schule-comenius.de
Hier erfahren Sie mehr zum Thema Autismus: www.autismus.de

2 Kommentare

  1. Hallo Alexander,

    super, die Aktion in Berlin! Eine feine Sache, dass die Kinder jetzt auch zu Meisenexperten werden! Ich finde es prima, so etwas an einer Schule zu haben, wirklich!

    Wir schauen Deine Kameras und regelmäßig, um nicht zu sagen täglich an. Einfach immer interessant!

    Herzliche Grüße aus Bayern und alles gute nachträglich zum Namenstag vorgestern. (Ich, Sandra, auch ;-))

    Sandra

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